Sicher sichtbar werden - jenseits der Norm

Wie wir uns selbst nicht mehr zurückhalten und unsere innere Wahrheit zum Ausdruck bringen. Ein persönlicher Leitfaden in die eigene Sichtbarkeit - nicht trotz, sondern mit Verletzlichkeit.

Kennst du das? Du spürst in dir eine Wahrheit, die zum Ausdruck gebracht werden will. In dir brennt das Feuer. Du spürst es als Fülle in deiner Brust, wie ein Luftballon, der kurz davor ist zu platzen. Doch anstatt mit einem lauten Knall hinaus zu platzen geht ihm die Luft aus und er schrumpft in sich hinein. Was bleibt, ist ein Gefühl als wärst du innerlich erstarrt: Du wolltest etwas in die Welt tragen, doch stattdessen blieb es in dir stecken. Und jedes Mal, wenn du es wieder versuchst, kommt wieder das Vakuum und drückt dich nach innen.

Mir ging es früher so oft so.

Jahrelang hielt ich meine innere Wahrheit zurück. Nicht nur online, sondern auch im echten Leben. Aus Angst vor Kritik, vor Ablehnung, vor Konfrontation. Ich wollte dazugehören. Ich wollte “richtig” sein. Ich wollte geliebt werden. Hand auf´s Herz: Gehts dir auch manchmal so?

Und auch, wenn mich diese alten Prägungen auch heute noch manchmal einholen, erkenne ich sie heute klar als das was sie sind:

Keine Schwäche. Kein Versagen. Sondern alte Überlebensstrategien. Strategien, die mein Körper schon in der Kindheit entwickelt hat, um dazuzugehören. Um geliebt zu werden. Um zu überleben in einem System, in dem Wildheit, Lautheit, Vielfalt und Einzigartigkeit oft keinen Platz hatte.

Vor sieben Jahren, 2019 um genau zu sein, beschloss ich, mich diesen alten Prägungen bewusst zu stellen - und wieder die Seiten in mir zum Ausdruck zu bringen, die ich so lange unterdrückt hatte. Meine innere Wahrheit. Nicht im Job — denn dort fand ich keinen Raum dafür. Sondern, indem ich meinen Job verließ, mich selbstständig machte und sichtbar wurde mit einem Blog.

Heute weiß ich:

Das Leben, das wir uns wünschen. Die Freiheit, die Fülle, die Freude; das Leben, das sich tief in uns nach uns selbst anfühlt. Es kommt nicht, indem wir weiter kämpfen, uns noch mehr anstrengen, noch besser funktionieren. Es kommt, indem wir verlernen, was wir gelernt haben sein zu müssen — und wieder lernen die zu sein, die wir einmal waren. WILD. UNGEZÄHMT. EINZIGARTIG. LAUT. FRECH. VERRÜCKT. TIEF. SENSIBEL. VERLETZLICH.

Aber gerade diese Verletzlichkeit kann manchmal so ein großes Hindernis sein. Sie fühlt sich so fragil an. So hauchdünn. So angreifbar. So nackt.

Genau das waren wir als Kinder. Bis wir gelernt haben, uns eine ganz schön fette Panzerschicht aufzulegen, um ja nie wieder die (oft auch unbewussten) Verletzungen zu erfahren, die wir als Kinder erlebt haben. Und manchmal sind diese Verletzungen auch die Erfahrungen, die wir NICHT erlebt haben.

Diese Erfahrungen sind tief abgespeichert. Im Nervensystem. Im Körper. Und auch als Überzeugungen über das Leben und über das, wer wir eigentlich sind und was unsere Aufgabe hier ist.

Ich dachte lange, meine Aufgabe wäre es, mich anzupassen, zu leisten, Wege zu gehen, die man von mir erwartet, mich zu beweisen — um endlich anerkannt und gewürdigt zu werden.

Viele Jahre lang ging ich diesen Weg. Bis sich mein Körper zu Wort meldete. Ich konnte meine Wahrheit nicht länger leugnen. Ich musste beginnen, mich zu zeigen. Nicht, um etwas darzustellen. Sondern, um endlich den Menschen zu leben, der ich innerlich schon immer wahr.

Ich habe über 30 Jahre lang gebraucht, um zu erkennen: Meine Gesundheit ist wichtiger als Anerkennung im Außen. Lieber bin ich gesund, anstatt Erwartungen von Menschen zu erfüllen, die mir nicht einmal nahestehen.

Meine ganz persönliche Erfahrung ist, dass meine Gesundheit wieder zurückkam als ich aufhörte, die Lebenskraft in mir zurückzuhalten.

Und vielleicht erkennst du dich in meiner Geschichte wieder?

Raus aus der Anpassung — rein in die Sichtbarkeit

Ich meine nicht die Online-Sichtbarkeit, auch wenn das ein erster Schritt sein kann. Mit Sichtbarkeit meine ich eigentlich Wahrhaftigkeit. Sichtbar werden ohne Masken. Ohne die Überlebensstrategien, die oft längst der Vergangenheit angehören. Ohne die Rollenbilder, die die Gesellschaft von uns erwartet.

Nicht, dass das schlecht wäre oder falsch. Aber ich habe erfahren, dass es oft diese Masken, Rollenbilder und Überlebensstrategien des Körpers sind, die uns zurückhalten, ein erfülltes Leben zu führen.

Mit Sichtbarkeit meine ich die Bereitschaft, wirklich gesehen zu werden als der Mensch, der du wirklich bist.

Ich beobachte heute: Viele wollen sichtbar werden, aber nur wenige sind bereit, wirklich gesehen zu werden.

Und auch ich selbst dachte all die Jahre, dass ich gesehen werden will. Bis mir klar wurde: Nein, ich wollte nicht wirklich gesehen werden. Nicht mit all meinen Facetten. Nicht in meiner Ganzheit. Bestenfalls nur mit den guten Seiten. Die Schatten sollten lieber dort bleiben, wo sie waren: im Schatten.

Erst jetzt erkenne ich, dass wahre Sichtbarkeit beginnt, wenn wir unsere Schatten auf diese Reise mitnehmen und sie integrieren.

Am Anfang mag es sich wie Selbstexposition anfühlen. Fragil. Verletzlich. Wackelig.

Und dann kommst du vielleicht auch an einen Punkt, an dem du merkst: es wird zu wackelig. Du kannst deine eigene Verletzlichkeit nicht halten. Dein Körper ist im Dauer-Alarmmodus und sieht überall nur noch die Gefahr, abgelehnt und kritisiert zu werden. Bis du nicht mehr kannst — und alles runterfährst. Dich wieder versteckst in deinem Schneckenhäuschen, um deine inneren Verbrennungen zu lecken.

Dann sagst du dir vielleicht selbst:


“Vielleicht bin ich einfach nicht für die Sichtbarkeit geschaffen.”

“Vielleicht will mir dieses Gefühl sagen, dass ich einen anderen Weg gehen soll.” (Und gibst schlimmstenfalls deine Vision wieder auf)

“Vielleicht bin ich dafür erst mit 60, 70 oder 80 Jahren bereit — und muss erst noch einen weiten Lern- und Leidensweg gehen, um endlich meinen Herzensruf zu leben”

“Vielleicht ist jetzt einfach noch nicht die Zeit”

“Vielleicht ist die Sichtbarkeit gar nicht mein Herzensruf und ich bin hier einfach nur auf einem Egotrip, der mich von meinem eigentlichen Herzensweg abbringen will”

“Was, wenn ich mich nie verwirkliche?” …


So hat sich die Sichtbarkeit oft für mich angefühlt. Bis ich verstanden habe, dass es keine Schwäche war. Sondern mein Körper, der immer noch an der Vergangenheit festhielt. Viele Menschen leben genau so. Sie leben nicht aus der Gegenwart heraus, sondern aus ihrer Vergangenheit heraus. Nicht, weil sie falsch sind, sondern sehr intelligent.

Der Körper hält an Erfahrungen aus der Vergangenheit fest, um zu vermeiden, dass diese sich in der Zukunft wiederholen.

Aber wenn wir ein neues Leben kreieren wollen. Wenn wir uns befreien wollen und unsere innere Wahrheit leben wollen, dann dürfen wir diese alten Prägungen hinterfragen. Nicht, indem wir noch mehr gegen sie ankämpfen, sondern sie würdigen und anerkennen als das, was sie sind: Unser Schutzschild in einer Welt, die oft bedrohlich ist.

Und es geht auch nicht darum, dieses Schutzschild abzulegen. Sondern es bewusst zu halten — dann, wenn es wirklich gebraucht wird.

In Balance zwischen Schutz und Sichtbarkeit

Ich habe 35 Jahre gebraucht, um das verstehen, was ich oben geschrieben habe. Nicht durch jahrelange Selbstreflexion — sondern durch körperorientierte Arbeit, für die ich gerne unter anderem in diesem Artikel sensibilisieren möchte.

Mein Impuls in diesem Artikel ist nicht: trotz der eigenen Grenzen, die uns der Körper durch Schutzsignale aufzeigt, sichtbar zu werden. Sondern auf die Signale des Körpers wirklich zu hören.

Der Körper kommt zuerst.

Je mehr du lernst auf deinen eigenen Körper wieder zu hören und auf seine Signale zu achten, desto mehr Sicherheit entwickelst du. Sicherheit, die sich auch im äußeren Leben spiegeln wird. Denn mit jedem Mal, mit dem wir unsere Körpersignale übergehen, übergehen wir uns selbst. Und das ist oft auch das, was wir im Außen erfahren. (Das gilt nicht, wenn wir in akuten Gefahrensituationen sind.)

Die “erfolgreiche” Sichtbarkeit im Außen ist oft ein Spiegel für die eigene Sichtbarkeit und Sicherheit im Inneren.

Was heißt das konkret? Wie kannst du also sicher sichtbar werden — nicht trotz, sondern mit deiner Verletzlichkeit?

Fang mit kleinen Häppchen an — und achte immer dabei, wie dein Körper sich dabei fühlt. Es muss nicht schnell gehen, sondern ganz in deinem Tempo. Du darfst die kleinen Minierfolge feiern. Und mit Erfolge meine ich nicht nur die gewonnene Reichweite — sondern auch die Erfolge, auf den eigenen Körper gehört zu haben.

Wenn du Schutz brauchst, ist das keine Schwäche, die sagt “schau, jetzt schaffst es immer noch nicht, dich selbstbewusst zu zeigen”. Sondern es ist ein Grundbedürfnis, das gehört werden will. Ein Bedürfnis nach Sicherheit.

Und diese Sicherheit dürfen wir uns wieder selbst geben. Wir bekommen sie nicht durch Likes, durch Bestätigung, durch Reichweite. Sondern indem wir lernen, unserem Nervensystem zu vermitteln, dass es sicher ist, wir selbst zu sein.

Sichtbarkeit als Weg zu dir selbst

Der Weg zu dir selbst ist oft kein einfacher. Es erfordert die Bereitschaft, sich mit seiner Vergangenheit und den alten Verletzungen auseinanderzusetzen, die noch heute in uns wirken. Und es erfordert die Offenheit, seine eigenen Glaubenssätze zu hinterfragen und sie neu zu definieren.

Der Weg in die eigene Sichtbarkeit kann ein Weg der Heilung sein. Der Befreiung. Der Selbstermächtigung. Ein Weg, der durch das Feuer führt. Aber dafür zum eigenen inneren Leuchtfeuer zurückführen kann.

Dieser Weg spiegelt uns unsere inneren Grenzen und wo wir uns selbst zurückhalten wie oft kein anderer. Doch letztendlich zeigt er uns, dass die Grenzen, die wir erleben, nicht im Außen sind, sondern in uns selbst. Innere Grenzen, die nicht bekämpft und verurteilt werden wollen, sondern liebevoll anerkannt wie ein Freund, dessen einzige Lebensaufgabe es war, uns zu beschützen.

Spürst du auch den Wunsch, sichtbar zu werden, aber stößt dabei auf Grenzen?



Wenn du möchtest, begleite ich dich durch systemisches Coaching auf deinem einzigartigen Weg in die Sichtbarkeit. Sanft - und in deinem Tempo. Bei Interesse melde dich gern bei mir.

 


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Marta Jacobi

Als systemischer Coach & Wegbegleiterin unterstütze ich Menschen auf ihrem Weg in das Leben, das ihres ist.

https://www.martajacobi.de
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An den Menschen, der seine Fülle nicht zeigt